Glaubenslehre des Heiligen Kardinals Robert Bellarmin
Aus seinem
Katechismus

 

Sehr wichtig!!!

Erklärung des achten Gebots

S: Was enthält das achte Gebot?

L: Es wurde bereits vom Unrecht gesprochen, das man gegen den Nächsten durch Werke begeht. Nun folgt das Unrecht, das man gegen ihn durch Worte begeht. Darum verbietet das achte Gebot das falsche Zeugnis, das eine der bedeutendsten Ungerechtigkeiten ist, die man mit Worten begehen kann.

S: Ich möchte gern wissen, ob es gegen dieses Gebot ist, wenn jemand Unwahres sagt, ohne damit jemandem zu schaden.

L: Es gibt normalerweise drei Formen, wie man die Unwahrheit sagt. Erstens um dem Nächsten zu schaden, wie etwa wenn vor dem Richter jemand als Zeuge über einen anderen aussagt, er habe gestohlen oder jemanden umgebracht, dabei aber genau weiß, dass das überhaupt nicht wahr ist. Das nennt man Schadenlüge bzw. bösartige Lüge.

 

Zweitens dem Nächsten zu helfen, wie etwa wenn jemand eine Lüge sagt, um einen anderen aus einer Gefahr zu befreien, und das nennt man Nutzlüge (Notlüge, Dienstlüge).

 

Drittens ohne zu schaden und ohne zu nützen, und das nennt man grundlose Lüge oder Scherzlüge.

 

Die erste dieser Formen ist ausdrücklich in diesem Gebot verboten, denn dabei handelt es sich nicht nur um ein falsches, sondern auch um ein ungerechtes Zeugnis, und dies ist eine sehr schwere Sünde.

 

Die anderen beiden Formen sind, obwohl sie keine Ungerechtigkeit enthalten und keine so schweren Sünden wie die erste sind, ebenfalls wirkliche Sünden, zumindest lässliche. Man darf nämlich um keinen Preis der Welt eine Lüge sagen.

 

S:  Enthält dieses Gebot noch etwas anderes neben dem Verbot der Lüge?

L: Es enthält das Verbot von drei anderen Arten von Sünden, die man mit Worten begeht und die sich in gewisser Weise auf das falsche Zeugnis zurückführen lassen, nämlich Schmähung, Verleumdung und Verwünschung.

S: Was bedeutet Schmähung?

L: Eine Schmähung ist ein verletzendes Wort, das man ausspricht, um den Nächsten zu entehren, wie etwa wenn jemand zu einem anderen sagt, er sei dumm, er habe Stroh im Kopf, er sei gemein, ehrlos und ähnliches mehr. Dass es aber eine große Sünde ist, wenn man etwas in der Absicht sagt zu beleidigen, zeigt der Heiland im heiligen Evangelium, wo er sagt, wer seinen Nächsten einen Dummkopf nennt, habe das Feuer der Hölle verdient. Ich habe dabei gesagt, „wenn es in der Absicht gesagt ist zu beleidigen", denn wenn man es zum Scherz oder zur Mahnung oder zur Besserung sagt, so wie es manchmal der Vater mit dem Kind und der Lehrer mit dem Schüler macht, ohne einen Gedanken daran, damit zu verletzen, dann heißt das nicht Schmähung und ist auch keine Sünde, allenfalls vielleicht eine lässliche.

S: Was ist Verleumdung?

L: Verleumdung ist, den guten Ruf des Nächsten zu schädigen, indem man schlecht über ihn redet. Das tut man entweder, indem man vom Nächsten Böses erzählt, was nicht wahr ist, oder Böses, was zwar wahr ist, aber nicht allgemein bekannt, und ihn so den guten Ruf verlieren lässt, den er bei denen hatte, die von seiner Sünde nichts wussten. Eine solche Verleumdung ist ein unter den Menschen sehr verbreitetes Übel. Sie ist eine schwere und gefährliche Sünde, weil der Ruf wichtiger ist als das Eigentum und von einigen sogar höher als das Leben geschätzt wird. Darum ist es ein großes Übel, die Ursache für seinen Verlust zu sein. Außerdem ist es bei den anderen Übeln leicht, eine Abhilfe zu finden; den geschädigten Ruf dagegen kann man nur mit größter Schwierigkeit wiederherstellen. Daher kommt es, dass derjenige, der ihn durch seine Verleumdung geschädigt hat, dazu verpflichtet ist, ihn wiederherzustellen. So ist es denn ein äußerst nützlicher Entschluss, stets gut über alle zu reden, wenn man es kann, ohne die Wahrhaftigkeit zu verletzen; wenn man es aber nicht kann, zu schweigen.

S: Was bedeutet Verwünschung?

L: Verwünschung ist es, wenn einer seinen Nächsten verwünscht mit den Worten: „Sei verflucht!", oder ihm verschiedene Arten von Verwünschungen nachschickt mit den Worten: „Dieses oder jenes Übel komme über dich!" Dieses Verwünschen ist eine sehr schwere Sünde, wenn man es aus Hass und mit dem Verlangen tut, dass diese Übel dem Nächsten tatsächlich widerfahren. Wenn man es dagegen ohne Hass und böse Wünsche aus Scherz, Leichtsinn oder einem augenblicklichen Zorn tut, ohne darauf zu achten, was man sagt, ist es nicht ganz so schlimm, aber es ist doch immer noch etwas Böses, weil aus dem Mund eines Christen, der von Gott an Kindes Statt angenommen worden ist, nur Segensworte kommen sollten.