16. Die Darstellung Jesu im Tempel

(Lk2)

 

I Maria unterwirft sich demütig dem Gesetz der Reinigung

Als die Tage der Reinigung,1 die das Gesetz Moses vorschrieb, zu Ende waren, brachten sie Jesus nach Jerusalem, um Ihn dem Herrn darzustellen. Denn so steht im Gesetze des Herrn geschrieben: «Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht werden.» 2

Begib dich mit der Heiligen Familie auf den Weg zum Tempel nach Jerusalem.3 Bete das Kind auf den Armen Mariens an.

Wohin geht Maria? Sie geht zum Tempel, um dir ein Beispiel der vollkommenen Unterwerfung unter den göttlichen Willen zu geben. Sie geht hin, um in Demut das allgemeine Gesetz zu erfüllen. Alle, die sie unter der Menge erblicken, müssen sie für eine Frau halten, gleich allen anderen. Maria könnte die himmlischen Gunstbezeugungen offenbaren, wodurch sie die Bewunderung aller auf sich lenken würde, aber sie schweigt. Sie weiß, daß ihr Schweigen und ihre Demut Gott mehr ehren, und sie denkt nur an seine Ehre.

Betrachte Maria im Vorhof des Tempels. Demütig bittet sie den Priester, die gesetzliche Zeremonie der Reinigung vorzunehmen, und sie folgt ihr mit lebendigem Glauben. Sie weiß zwar, daß sie von diesem Gesetz ausgenommen ist, aber sie weiß auch, daß man nie rein genug ist in den Augen Gottes. Beherzige diese Lehre! Übe dich in der Liebe zum göttlichen Willen, und erneuere deine Unterwerfung unter alle seine Gebote. Reinige dein Herz von allem Stolz!

1 Diese Zeit umfaßte bei der Geburt eines Knaben vierzig Tage, bei der eines Mädchens achtzig Tage.

2 Diese Darstellung geschah zur Erinnerung an die Barmherzigkeit des Herrn, der die Erstgeborenen der Israeliten in Ägypten verschont hatte.

3 Die Entfernung von Jerusalem nach Bethlehem beträgt zwei Stunden. Der Weg dahin war immer einer der besten in Palästina. Ehedem war er gepflastert und beschattet, umgeben von Gärten, Weinreben, Rosen und anderen wohlriechenden Pflanzen.

 

II Maria stellt ihren Sohn dar und kauft Ihn los nach dem Gesetz1

Auch wollten sie ein Opfer darbringen, wie es im Gesetz des Herrn vorgeschrieben ist: Ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

Maria hat den Eingang des Tempels überschritten. In ihren Armen trägt sie den Erstgeborenen aller Kreaturen, den sie dem himmlischen Vater aufopfern will. Frohlocke in heiliger Freude! Durch die Hände Mariens empfängt Gott erstmals ein Opfer, das seiner würdig ist. Maria verrichtet eine wahrhaft priesterliche Handlung. Hier ist das wahre Opfer, um dessentwillen wir verschont werden. Jesus nimmt die Stelle von uns Schuldigen ein. Schon gleich zu Beginn seines gottmenschlichen Lebens drängt es Ihn, sich der Gerechtigkeit Gottes als Sühnopfer darzustellen für uns, seine Schuldner.

Betrachte den Sohn Gottes in diesem Zustand der Erniedrigung. Höre, wie Er sich durch die Hände Mariens seinem Vater darbringt für dich und für uns alle. «Vater, nimm hin und empfange alles, was dein ist! Ich bringe dir dar, was ich bin und was sie sind, ich gebe dir alles, was mir und was ihnen gehört, Leib und Seele, Verstand, Herz und Willen. Alles hast Du uns gegeben, wir geben dir alles zurück. Gib uns nur deine Liebe, sie allein genügt.» So spricht Jesus.

Maria vereinigt ihr Opfer mit dem Opfer ihres Sohnes. «Siehe, ich bin eine Magd des Herrn. Vater, hier bin ich, um der Erfüllung deiner Pläne und dem Wohle anderer zu dienen. Nimm mich hin!» So spricht Maria.

In Vereinigung mit dem heiligen Joseph lausche der Sprache dieser beiden Herzen. Dieses Fest ist die feierliche Weihe der Menschheit an Gott. Begehe es mit herzlicher Andacht. Bring auch du mit Freuden dein Opfer, womit du dir den Besitz der himmlischen Güter sicherst. Es ist die Gabe der Armen, sie geht also nicht über dein Vermögen. Das Opfer des Armen ist die Hingabe seiner selbst, seiner Arbeit, seiner Treue im Dienste Gottes und seines Mutes im Leiden. Gott verlangt nichts anderes von dir. Er wartet aber auf diese deine Gabe. So sprich auch du dein «Suscipe!».

1 Die Armen kauften den Erstgeborenen, der im Tempel dargestellt wurde, durch ein Opfer von Turteltauben oder zwei jungen Tauben los.