25. Das erste Zeugnis des Täufers über Jesus

(Mt 3, Mk 1, Lk 3)

 

I Johannes der Täufer offenbart dem Volk die Größe des kommenden Erlösers

Das Volk aber war in Spannung. Alle dachten bei sich, ob Johannes vielleicht der Messias sei. Johannes aber erklärte allen: «Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der mächtiger ist als ich. Ich bin nicht würdig, Ihm auch nur die Schuhriemen zu lösen.»

Begib dich wieder an den Jordan. Erwecke in deinem Herzen das brennende Verlangen, vom Erlöser zu hören. Johannes der Täufer wird dem Volk verkünden, wer Derjenige ist, Den Gott ihnen sendet.

In ihrem Zweifel befragt die Menge den Vorläufer: «Wo ist der Erlöser? Bist du es? Woran können wir Ihn erkennen?» Johannes demütigt sich tief, um Den gebührend zu erheben, dessen Vorläufer er ist. Wie groß sein Ansehen beim Volk auch sein mag, im Vergleich zum Erlöser hält er sich für nichts. Was ist der Mensch in Wirklichkeit vor Gott? Man schätzt sich hoch, solange man sich nur mit Geringeren vergleicht. Sobald man sich aber mit Gott vergleicht, verschwindet die Selbstschätzung. Johannes fühlt sich um so kleiner, je näher er Dem steht, der allein wahrhaft groß ist. Ermiß den Abstand zwischen Johannes und Jesus. Es ist der Abstand zwischen Himmel und Erde, zwischen einem Menschenkind und dem Gottessohn. «Ich bin nicht wert, Ihm die Schuhriemen aufzulösen», bekennt der heilige Vorläufer.

Erkenne die Wahrheit dieses edlen Wortes. Nähere dich dem unter den Volksscharen verborgenen Sohn Gottes, und falle vor Ihm in gläubiger Demut nieder. Um in der Verachtung deiner selbst zu wachsen, stell deine Armut seinem unendlichen Reichtum, deine Schwäche seiner Allmacht, deine Unwissenheit seiner göttlichen Weisheit gegenüber. Versenke dich in dein Nichts. Entsage um seiner Verherrlichung willen jeder Selbstüberschätzung. Versprich Ihm, dich zu demütigen, um seine Größe zu erheben. Erst wenn du demütig bist, kann die Gnade Gottes in dir Großes wirken.

 

II Johannes erklärt seinen Zuhörern das Wirken des kommenden Erlösers

«Er wird euch mit dem Heiligen Geiste und mit Feuer taufen.1 Mit der Wurfschaufel in der Hand wird Er seine Tenne reinigen: 2 Den Weizen wird Er in seine Scheune bringen, die Spreu aber in unauslöschlichem Feuer verbrennen.»

Johannes verkündigt nicht nur einen Erlöser, sondern auch einen Richter. Alle richterliche Gewalt ist Ihm übertragen. Er selbst wird die Guten von den Bösen scheiden. Zwar sind alle zur Seligkeit berufen, aber es werden nur jene in den Himmel eingehen, die Jesus dessen für würdig erachtet. Hienieden sind wir vor die Wahl gestellt, entweder Christi Lehre anzunehmen und zu befolgen oder aber durch Nichtbefolgung ewig verlorenzugehen.

Johannes zeigt dir diesen gewaltigen Richter schon auf seinem Richterstuhl. Lerne den Heiland kennen und fürchten. Er ist der rechtmäßige Richter, denn Er ist der unumschränkte Herr des Weltalls. Er ist der allsehende Richter, den niemand täuschen kann. Er ist der allmächtige Richter, dem alle Mittel zu Gebote stehen, um seinen Richterspruch an dem Schuldigen zu vollziehen. Nahe dich Ihm in tiefster Demut, und bitte Ihn um Erkenntnis deiner selbst.

Was bist du in seinen Augen: guter Weizen oder leichte Spreu? Durchforsche deine Gedanken, Worte, Wünsche und Handlungen. Erinnere dich deiner vergangenen Jahre, deiner Pläne und Unternehmungen, deiner Beziehungen zum Nächsten, deiner Leiden und Freuden, deiner Pflichterfüllung! Bekenne dich als Sünder, beklage dein Elend, gestehe deine Fehler ein. Es ist wahrlich an der Zeit, den Richter zu versöhnen. Überlege, wie du seinem strengen Gericht entgehen kannst. Bitte Ihn, deine Augen seinem Licht und dein Herz seiner Liebe zu öffnen, indem du dich jetzt aufrichtig bekehrst!

1 Die Taufe des Johannes war nur eine symbolische Zeremonie zur Vorbereitung auf die Buße. In sich hatte sie keine rechtfertigende Wirkung.

2 Im Orient wird der Weizen gedroschen, dann auf einer Schaufel gegen den Wind geworfen. Die guten Körner fallen dann zur Erde, die Spreu wird vom Wind fortgetragen.