3. Die Ankündigung der Geburt des Johannes

(Lk 1)

 

I Ein Engel sagt Zacharias die wunderbare Empfängnis des Vorläufers voraus

In den Tagen Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester mit Namen Zacharias, aus der Priesterklasse des Abias. Seine Frau stammte aus Aarons Geschlecht und hieß Elisabeth. Beide waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn.

Wende einen Augenblick deine Aufmerksamkeit den greisen Eheleuten zu, die Gott als seine ersten Mitarbeiter am großen Werk der Erlösung erwählt hat.

Wer sind sie? «Gerechte» nennt sie der Evangelist. Sie sind gerecht nicht bloß äußerlich und im rein gesetzlichen Sinn, sondern innerlich und wahrhaft. Man ist nur insofern wirklich gerecht, als man es in den Augen Gottes ist. Zacharias und Elisabeth waren gerecht, weil sie in vollkommener Abhängigkeit vom göttlichen Willen lebten. Das Gesetz Gottes war immer und überall die Richtschnur ihres Verhaltens. Ferner waren sie gerecht durch ihren Eifer im Dienst Gottes und durch die Makellosigkeit ihres Wandels. Solcher Seelen bedient sich Gott vorzugsweise zur Ausführung seiner Heilspläne.

Diese beiden Gerechten bewährten sich auch in der Prüfung. Sie waren jedoch kinderlos, denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren schon hochbetagt. Diese Bemerkung läßt der Evangelist einfließen, um dich anzueifern, den Wert der Leiden zu schätzen. Hat Gott nicht gerade darum die Erhörung ihres Gebetes so lange aufgeschoben, um sie desto reichlicher zu gewähren? Gott pflegt mit seiner Hilfe einzugreifen, wenn der Mensch am ehesten versucht ist zu verzweifeln. Die Prüfung, die den Herzen Zacharias' und Elisabeths so schmerzlich ist, wird für sie zu einem unvergleichlichen Glück und einer unvergänglichen Ehre.

Als einst seine Priesterklasse an der Reihe war und er vor Gott den heiligen Dienst tat, traf ihn nach der Sitte der Priesterschaft das Los, in den Tempel des Herrn zu gehen und das Rauchopfer darzubringen.1 Alles Volk aber stand zur Stunde des Rauchopfers draußen und betete.2 Da erschien ihm zur Rechten des Rauchaltars ein Engel des Herrn.

Festige dein Vertrauen auf die Güte Gottes und folge Zacharias in den Tempel. Vereinige dich mit der anbetenden Menge, die draußen steht. Alle flehen inständig um die Sendung des verheißenen Erlösers. Bete mit ihnen, seufze und flehe. Zeige dem himmlischen Vater die unzählbare Menge von Seelen, die verloren gehen. Biete dich an zur Mitwirkung an ihrer Rettung und Heiligung.

1 Das Räuchern war eine gottesdienstliche Verrichtung, welche für die Priester durch das Los bestimmt wurde. Zweimal täglich mußte dem Herrn im Tempel ein Rauchopfer dargebracht werden.

2 Im Vorhof des Tempels, außerhalb des Heiligtums.

 

II Der Engel kündigt die hohe Berufung des verheißenen Kindes an

«Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört: Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben. Du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn.»

Begrüße mit Freuden den ersten Engel, der im Evangelium erwähnt wird. Er redet vom Geheimnis der Menschwerdung; er arbeitet mit an unserem Heil. Die Engel des Himmels werden von nun an unsere Beschützer sein.

Betrachte, daß der Engel gerade in dem Augenblick von Gott zu Zacharias gesandt wird, als dieser mit seiner Pflichterfüllung beschäftigt ist. Die treue Besorgung der Standespflichten, welcher Art sie auch sein mögen, zieht in besonderer Weise die göttliche Gnade herab und verdient den Beistand der heiligen Engel. Während der greise Priester arbeitet, erntet er die Frucht dessen, was er im Gebet gesät hat. Nimm teil an seiner Überraschung und seiner Freude! Dem Wort des Engels gemäß wird er die tröstliche Erfahrung machen, daß Gott getreu ist und ihm mehr gewährt, als er im Gebet erfleht hat.

Urteile selbst. Zacharias ersehnte einen Nachkommen; er erhält einen Sohn, der ein Mann Gottes, ein Apostel, ein Heiliger sein wird. Er verlangte nach diesem Sohn zu seinem persönlichen Trost; er wird ihm nun gegeben zum Trost vieler. Dieser Sohn wird die Ehre Gottes fördern und seinem Volk nützlich sein. Zacharias strömt über vor Freude. Er zählt nicht zu jenen Menschen, die für ihre Lieben — mit Hintansetzung des göttlichen Willens — nur vergänglichen Ruhm erträumen. Er hat erfaßt, daß das, was Gott gibt, Gottes Eigentum bleibt und daß er über uns und die Unsrigen verfügen kann, wie es ihm gefällt.

So urteilt und handelt die wahre Frömmigkeit; so urteile und handle auch du hinsichtlich aller, die Gottes Vorsehung dir anvertraut hat. Suche zu erkennen, was du für sie mit aller Kraft erstreben und tun sollst. Hat dich die ewige Weisheit zur Mitwirkung am Werk ihrer Erlösung erwählt, so zaudere nicht! Folge der göttlichen Leitung und opfere ihr alles, was sie verlangt!