8. Die Geburt des Vorläufers

(Lk 1)

I Die Freude im Hause des Zacharias über die Geburt des Sohnes

Für Elisabeth erfüllten sich ihre Tage, und sie gebar einen Sohn. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr ihr große Huld erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.

Hier siehst du die Bestätigung der Wahrheit, daß der Herr getreu ist in seinen Verheißungen. Erzeige dem neugeborenen Kind deine Verehrung und beglückwünsche die erfreuten Eltern. Vor allem aber danke Gott dem Herrn, denn auch zu deinem Heil wurde Johannes geboren.

Am achten Tag soll das Kind nach dem Gesetz einen Namen erhalten. Zacharias ist sich dessen wohl bewußt, daß sein Sohn vom Schoß der Mutter an dazu bestimmt ist, die Großtaten der Barmherzigkeit Gottes vorzubereiten. Er soll durch sein Apostolat und sein Beispiel viele Seelen zum Heil führen. Alles das soll sein Name schon ausdrücken: Johannes, d. h. Barmherzigkeit Gottes, wird er genannt werden. So oft Zacharias und Elisabeth in Zukunft diesen Namen aussprechen, werden sie damit die Barmherzigkeit Gottes preisen, die ihnen das Kind zum Heil der gefallenen Menschheit geschenkt hat.

«Niemand in deiner Verwandtschaft trägt diesen Namen», sagen die Umstehenden zu Elisabeth. Zacharias erklärt schriftlich: «Johannes ist sein Name!» Er bekundet dadurch, daß es sein ausgesprochener Wille ist, den Absichten Gottes und nicht den Familienüberlieferungen zu folgen. Eine neue Zeit bricht an, und sie fordert eine neue Art des Handelns und Urteilens. Auch du sollst in dieser neuen Zeit den alten Menschen ablegen. Früher beschäftigtest du dich vorwiegend mit dir selbst und mit den Deinigen, jetzt muß Gott bei dir in den Vordergrund treten. Du mußt mit den alten Gewohnheiten brechen und in allem nur die größere Ehre Gottes suchen.

 

II Zacharias erhält die Sprache wieder und dankt Gott

In demselben Augenblick ward sein Mund geöffnet und seine Zunge gelöst. Er konnte sprechen und pries Gott. Da kam Furcht über alle, die in der Nähe wohnten, und im ganzen Gebirge von Judäa sprach man von all diesen Begebenheiten. Alle, die davon hörten, überdachten sie im Herzen und sagten: «Was wird wohl aus diesem Kind werden?»

Höre, wie Zacharias Gott seinen Dank ausspricht. Der Zweifel hat ihn der Sprache beraubt, der Glaube gibt sie ihm wieder, und er bedient sich ihrer, um Gott zu loben.

Gott gab dem Menschen die Sprache, damit er Ihn lobe, denn der Mensch ist erschaffen zur Verherrlichung Gottes. Um ihn an dieses erhabene Ziel beständig zu erinnern, schickt ihm Gott Freude und Schmerz. Bei freudigen wie bei betrübenden Ereignissen soll das Herz des Menschen Gott preisen. Vereinige dein Lob mit dem des Zacharias. Bei der Betrachtung der Wohltat, die Gott ihm erweist, durchgehe im Geist die Reihe der Gnaden, die du von Gott empfangen hast. Auch du hast alle Ursache, Gott für seine Erbarmungen zu preisen. Auch dir sollte es am Herzen liegen, die grenzenlose Güte, die dir liebend zuvorkam und dich mit Wohltaten überhäufte, anderen bekannt zu machen.

Auf diese Weise wirst du dich immer mehr der neuen Sonne nähern, die über der Welt aufgeht. Die Allmacht Gottes beginnt ihr Werk. Sie will auch dich zur Vollkommenheit in der Tugend heranbilden. Laß sie an dir arbeiten, und sie wird Wunder tun. Sie wird aus Kindern Männer und Frauen heranbilden, aus Sündern Auserwählte und aus Gefallenen Heilige hervorbringen.