2. TEIL:

 

Das öffentliche Leben Jesu

 

Das erste Jahr des öffentlichen Lebens Jesu

 

35. Das erste Osterfest

(Joh 2)

 

I Jesus geht nach Jerusalem zum Osterfest

Nun war das Osterfest der Juden nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.1 Im Tempel traf er Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkaufen, und Geldwechsler, die sich dort niedergelassen hatten.

Begleite deinen Heiland auf dem Weg nach Jerusalem, und tritt mit Ihm in die Heilige Stadt ein.

Warum kommt Er nach Jerusalem? Welche Gedanken beschäftigen Ihn? Er kennt die traurigen Verirrungen des Judenvolkes. Die heilige Stätte wird entweiht und das göttliche Gesetz mit Füßen getreten. Die irdischen Interessen werden den geistigen vorgezogen. Gott muß zurücktreten. Jesus will die verletzte Ehre des himmlischen Vaters retten. Nach seinem Beispiel sollst auch du für die Wiederherstellung der Ehre Gottes eifern.

1 Das öffentliche Leben Jesu umfaßt vier Osterfeste. Vermutlich schloß sich Jesus den Pilgern von Galiläa an und nahm Samaria meidend den Weg durch Peräa und kam über Bethanien und den Ölberg nach Jerusalem.

 

II Jesus reinigt den Tempel

Da flocht Er aus Stricken eine Geißel und trieb alle samt den Schafen und Rindern zum Tempel hinaus. Den Geldwechslern verschüttete Er das Geld und ihre Tische stieß Er um. Zu den Taubenhändlern sprach Er: «Schaff das fort von hier, und macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!»

Folge Jesus in den Tempel. Der Vorhof ist durch die Habsucht der Menschen entweiht. Die Majestät Gottes wird entehrt, seine Religion herabgesetzt. Unter dem Schein der Frömmigkeit verbirgt sich eine verabscheuungswürdige Gewinnsucht. Dieser Anblick empört den Sohn Gottes und entflammt seinen Eifer. «Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!» ruft Er aus. Hörst du diesen Ruf der Entrüstung?

Der wahre Eifer ist Ausdruck einer Liebe, die sich für den Geliebten verzehrt und in seinen Interessen aufgeht.

Hier erblickst du den Heiland als Eiferer für die Ehre Gottes. Er trieb alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und Ochsen. Staune nicht über ein solches Vorgehen. Was Wunder, daß Er solch schmähliche Handlungsweise auch schmachvoll straft. Wer die irdischen Güter den ewigen vorzieht und die Religion niedriger Gewinnsucht dienstbar macht, der ist verächtlich in den Augen Jesu. In einem Augenblick wird der sanftmütige Heiland zum furchterregenden Richter.

Erforsche dein Gewissen. Verdienst nicht auch du, wie jene Menschen, bestraft zu werden? Gleicht deine Seele nicht einem entweihten Heiligtum? Forderst du nicht den gerechten Zorn Gottes heraus durch deine ausschweifenden Gedanken, deine bösen Werke und deine irdische Gesinnung? Wenn dies der Fall ist, so knie vor deinem Heiland nieder, und besänftige seinen Zorn durch Demut und Reue. Versprich Ihm, alles aus deiner Seele zu entfernen, was seinen Blicken mißfällt.

 

III Jesus weist auf sein Leiden und seine Auferstehung hin

Die Juden aber hielten Ihm entgegen: «Durch welches Wunderzeichen beweisest du uns, daß du dies tun darfst?» Jesus erwiderte ihnen: «Reißt diesen Tempel nieder, und ich will ihn in drei Tagen wieder aufbauen.»

Die Juden verlangen, daß Jesus über seine Handlungsweise Rechenschaft ablege. «Mit welchem Recht handelst du so? Beweise deine göttliche Sendung!» Höre die Antwort Jesu: «Brecht diesen Tempel meines Leibes ab, vergießt mein Blut, ich werde willig sterben, und ich werde auferstehen, um euch zu beweisen, daß ich der Gesandte meines Vaters bin und daß ihr meinen Worten glauben sollt.»

Von Anfang an denkt Jesus daran, seinen Leib als Schlachtopfer für die Ehre Gottes und den Sieg der Wahrheit hinzugeben. Das ist der wahre Geist des Apostels, er ist bereit, alles zu opfern. Er achtet weder Arbeit noch Leiden, Leben und Tod gelten ihm gleich. Wenn nur der Wille Gottes siegt und die Seelen gerettet werden.

Die Juden aber verstehen nichts von dem, was Jesus zu ihnen redet. Ihr Herz ist von Mißtrauen erfüllt. Die Menschenfurcht hält sie gefesselt. Ihr Geist ist in Vorurteilen befangen. Deshalb kann das Wort Gottes keine Wurzel fassen und der Glaube sich nicht entfalten. Entziehe dich dem Einfluß solcher im Glauben schwachen Menschen. Schließ dich eng dem Heiland an. Lege vor Ihm das Bekenntnis deines festen, kindlichen Glaubens ab. Werde ein Schüler des Herrn und versprich Ihm Treue.