40. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (I)

(Joh 4)

 

I Jesus verläßt Judäa, um sich seinen Feinden zu entziehen

Jesus verließ Judäa und begab sich wieder nach Galiläa. Dabei mußte Er seinen Weg durch Samaria nehmen. So kam Er zu einer Stadt Samarias mit Namen Sichar. Dort war der Jakobsbrunnen.

Begleite den göttlichen Meister auf seinem Weg nach Samaria. Die Ausübung seiner Sendung hat Ihm Feinde erweckt. Deshalb verläßt Er Judäa. Man will Ihm Böses antun, während Er nur Gutes wirkt. Das ist der Lauf der Dinge auf dieser Welt. Richte dich danach ein. Jesus beklagt sich keineswegs, regt sich nicht auf und läßt sich auch nicht entmutigen. Er verläßt zwar Judäa, aber nicht sein begonnenes Werk. Er will noch nicht sterben. Er entzieht sich den Nachstellungen, denn es wäre zu früh, weil Er seine Sendung noch nicht erfüllt hat. Er bringt andern die Gnaden, die seine Feinde verschmähen. So nimmt Er seinen Weg nach Samaria. Bist nicht auch du aus diesem Land der Unwissenheit und des Irrtums? Verlasse seine Grenzen und geh Jesus entgegen. Erbitte dir einen reichen Anteil an den Gütern, die Er bringt.

 

II Jesus ruht am Brunnen aus und erwartet die Samariterin

Da nun Jesus von der Reise ermüdet war, setzte Er sich einfach am Brunnen nieder. Es war um die sechste Stunde. Da kam eine Samariterin, um Wasser zu schöpfen. Jesus bat sie: «Gib mir zu trinken!»

Von der Reise ermüdet, setzte sich Jesus an den Rand des Brunnens. Auf der Suche nach dem verlorenen Schaf hat der gute Hirt sich müde gelaufen. Von ferne hatte Er gesehen, wie es der Wut der Wölfe ausgesetzt war. Nun eilt Er, es zu retten. Suche die barmherzigen Absichten des Sohnes Gottes zu verstehen. Welch einen weiten Weg mußte der Herr zurücklegen, um der verirrten Seele die Gnade des Heils zu vermitteln. Es war ja nicht nur die Länge einer Tagesreise, nein, es war die Entfernung, die den Himmel von der Erde, die Zeit von der Ewigkeit trennt. Setze dich Jesus zu Füßen und betrachte Ihn mit Andacht. Wer ist diese Frau, die sich Ihm naht? Woher kommt sie, und was will sie hier? Sie ist eine arme Verirrte, ihr Herz ist von den Banden sinnlicher Lust und von den Reizen des irdischen Lebens schmählich gefesselt. Sie hat nach den Einfällen ihrer Launen und dem Drang ihrer Leidenschaften gelebt, unbekümmert um die ewigen Interessen. Mit einem Blick weiß Jesus sie zu gewinnen, mit einem Wort bewirkt Er ihre Bekehrung. «Gib mir zu trinken!», bittet Er sie. Er begehrt wenig, um viel zu gewähren. Mit solcher Güte und Freigebigkeit teilt Gott seine zuvorkommenden Gnaden aus. Durch treue Mitwirkung mit diesen Gnaden wirst auch du das Glück finden.

 

III Jesus offenbart der Samariterin die Größe seiner Gaben

Wenn du die Gabe Gottes kenntest und den, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, so hättest du Ihn gebeten, und Er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Suche das wahre Übel kennen zu lernen, an dem diese verirrte Seele leidet. «Wenn du die Gabe Gottes erkennst», spricht Jesus zu der Frau. Die Hauptursache ihres Unglücks ist der Mangel an übernatürlicher Erkenntnis. Sie widersteht und beraubt sich der Gnade und will in ihrem Zustand verharren, weil sie nichts Höheres kennt. Sie weiß nicht, daß es einen Erlöser gibt; sie kennt weder seinen Namen noch seine Größe und ahnt nicht, daß Er ihr nahe ist. Sie hat nur Sinn für irdische Freuden, denn die Freuden des Himmels sind ihr unbekannt.

Jesus will ihr nun alles offenbaren. Die Sonne der Wahrheit geht in der Finsternis dieser Seele auf. «O daß du doch den Wert der Gabe erkennen würdest, die dir angeboten wird! Wenn du wüßtest, wer ich bin und was ich dir bringe!» O meine Seele, weißt du es wirklich? Weißt du, wer Jesus ist? Schätzest du die Güter der Gnade, die Größe seiner Liebe, die Schönheit seines Beispiels? Tritt näher zu Ihm hin, betrachte Ihn gläubig, und höre auf seine Worte! «Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten, wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht mehr dürsten in Ewigkeit. — Sobald du erkennst, wer ich bin, wirst du zu mir eilen und mehr finden, als du erwartet hast. Ich will dir das Glück geben, das du umsonst bei den Geschöpfen gesucht hast. Ich bin gekommen, weil ich weiß, daß du ohne mich nicht glücklich sein kannst, selbst wenn alle Freuden der Welt dir offen stehen. Ich bringe dir übernatürliches Leben und himmlisches Glück. Das ist das lebendige Wasser, von dem ich zu dir gesprochen habe.» Erkenne die Wahrheit dieser Worte, hast du sie nicht schon an dir erfahren? Erregen nicht alle Genüsse, die man in den Geschöpfen findet, immer neue Wünsche und neuen Durst? So erhebe dein Herz über den Staub der Erde. Übergib es deinem Heiland, damit Er es reinige, beruhige und entzünde. Erwecke in dir ein unbegrenztes Verlangen und eine innige Kenntnis Jesu, deines Erlösers. Sprich aus ganzem Herzen mit der Samariterin: «Herr, gib mir von diesem lebendigen Wasser!»