43. Das Wirken Jesu in Galiläa

(Mt 4, Mk 1,Lk 4, Joh 4)

 

I Jesus kommt nach Galiläa und wird vom Volk freudig aufgenommen

Nach zwei Tagen aber zog Er von da weg und begab sich nach Galiläa, denn Jesus selbst bezeugte, daß ein Prophet in seinem Vaterland nicht geehrt wird. Als Er nun nach Galiläa kam, nahmen Ihn die Galiläer auf, weil sie alles gesehen hatten, was Er zu Jerusalem an dem Fest getan, denn auch sie waren zu dem Fest gekommen.

Nach zwei Tagen apostolischer Wirksamkeit verließ Jesus Sichem. Überall hält Er sich nur ganz vorübergehend auf. Wie kurz aber auch die Dauer seiner Anwesenheit sein mag, stets hinterläßt Er tiefe, unverwischbare Spuren seiner Gegenwart. Die Samariter danken Ihm für alles, was Er ihnen Gutes getan hat. Das Andenken daran wird niemals schwinden. Beglückwünsche den Heiland zu diesem tröstlichen Erfolg. Mache dich bereit, sein Zeuge bei neuen Erfolgen zu sein.

Wohin wendet Jesus sich jetzt? Er lenkt seine Schritte zu jenen, die Er ehedem durch sein Beispiel erbaut hat. Das Erdreich ist gut vorbereitet. Die Galiläer haben seine Werke in Jerusalem gesehen. Darum kommen sie Ihm voll Eifer entgegen. Sie kennen Ihn, sie wissen, was Er ihnen bringen will und was sie von Ihm erwarten dürfen. Wer einmal die Wonnen der Gegenwart Jesu verkostet hat, den drängt es abermals in seine Nähe. Wer Ihn wahrhaft kennt, der nimmt Ihn allezeit mit Freuden auf. Geselle dich zu den Galiläern, teile ihr Verlangen, die Unterweisungen des Sohnes Gottes zu hören.

 

II Jesus fordert zur Buße und zur Besserung des Lebens auf

Von dieser Zeit an begann Jesus zu predigen und zu sagen: « Tut Buße! Denn das Himmelreich ist nahe!»

Nähere dich dem Lehrstuhl Jesu in der Synagoge.1 Der göttliche Meister erklärt seinen Zuhörern, daß für sie die Zeit gekommen ist, Buße zu tun, ihr Leben zu bessern, den Kampf gegen die Leidenschaften aufzunehmen und Gott vollkommen in sich herrschen zu lassen. Hat der himmlische Vater nicht seinen Sohn in die Welt gesandt, um sein Reich auf Erden zu begründen? Soll aber Gott in deinem Herzen herrschen, so mußt du zuvor die Sünde daraus entfernen. Nimm die dabei unvermeidlichen Kämpfe mutig auf. «Das Reich Gottes ist nahe», fügt Jesus bei. Das Reich Gottes und alles, was es an Glück und Seligkeit enthält, ist gleichsam in deine Hand gegeben. Alles, was die göttliche Güte an Gnaden und Gaben während deines Lebens spenden kann, bietet Sie dir an. Es hängt nun von dir ab, schon jetzt einen Vorgeschmack der Freuden des Himmels zu genießen.

Du fragst nach der Bedingung dieses Glücks? Es ist der Glaube an das Evangelium. An das Evangelium glauben heißt, von ganzem Herzen der Lehre Jesu anzuhangen und sein Leben danach auszurichten. Entschließe dich also zur Nachfolge Jesu. Er will nur eines: dich sicher zum Reich Gottes führen. Wenn Er dir zur Erreichung dieses Zieles schwierige Wege zeigt, so bietet Er dir zugleich überfließende Gnade an, die dich selbst das Schwerste leicht finden läßt. Suche diese Wahrheit immer besser zu verstehen, und erfreue dich an ihr.

Jesus hat seinen Lehrvortrag beendet, und alle spenden lauten Beifall. Stimme in das Lob ein, vergiß aber nicht, daß deine Zustimmung vor Ihm keinen Wert hat, wenn sie nicht von hochherzigen Entschlüssen begleitet ist.

1 Zur Zeit Christi gab es in Palästina sehr viele Synagogen. In Jerusalem waren deren mehrere. Die Versammlungen daselbst waren häufig. Außer den Pflichtgottesdiensten am Sabbat waren dort auch montags und donnerstags Zusammenkünfte.