45. Jesus lehrt vom Schiff des Simon Petrus

(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

 

I Jesus begegnet Petrus und seinen Gefährten

Als aber Jesus längs des Galiläischen Meeres wandelte, sah Er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder, wie sie eben das Netz ins Meer warfen.

Der göttliche Meister steht einsam am Ufer des Sees von Tiberias. Die Volksmenge hat Ihn noch nicht bemerkt. Es ist am Morgen eines bedeutungsvollen Tages. Wo weilt der Heiland mit seinen Gedanken? Was ist wohl der Gegenstand seiner Erwägungen? Jesus gedenkt der Zukunft. Er sieht die Bedürfnisse der Seelen in der langen Reihe der Jahrhunderte voraus. Er will für sie seine Kirche stiften, und dazu braucht er Apostel.

Die ersten Männer, die Er dazu wählen wird, sind schon gefunden. Petrus und sein Bruder Andreas stehen am Ufer. Etwas weiter erblickst du in ihren Booten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die mit ihrem Vater die Netze ausbessern. Bedenke, was die Erwählten jetzt sind und was der Heiland aus ihnen machen will, und fasse Vertrauen beim Anblick deiner eigenen Schwäche. In den Händen des Allmächtigen sind die geringsten Werkzeuge imstande, Großes zu vollbringen.

Aber Jesus entdeckt in diesen Fischern auch Eigenschaften, die sie zu ausgezeichneten Werkzeugen für die Ausführung seiner Pläne machen. Sie sind einfach, arbeitsam und opferwillig, deshalb geeignet, an der Gründung des neuen Gottesreiches zu arbeiten, und Jesus will sich ihrer dazu bedienen. Was ihnen fehlt, wird Er ersetzen. Willst nicht auch du dich im Dienst Gottes nützlich machen und die Wahl Jesu auf dich lenken? Betrachte diese so einfache und doch so wirkungsvolle Szene, und entschließe dich, die Einfalt und Opferbereitschaft der ersten Jünger nachzuahmen.

 

II Jesus bittet Simon um einen Platz in seinem Schifflein

Es geschah aber, als sich das Volk an Ihn herandrängte, um das Wort Gottes zu hören, stand Er am See Genesareth. Und Er sah zwei Schiffe am Ufer liegen, die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg Er in das eine der Schiffe, welches dem Simon gehörte, und bat ihn, vom Lande etwas abzustoßen.

Hier bietet sich dem Heiland die Gelegenheit, von diesen Männern den ersten Dienst zu erbitten. Das Volk umdrängt den Meister am Ufer, um das Wort des Lebens zu hören. Ist diese Menge nicht ein Bild der gefallenen Menschheit mit ihrem unsäglichen Elend? Auf allen Wegen, wo Jesus vorübergeht, bis in die Einöden, in die Er sich flüchtet, drängen sich die hilfsbedürftigen Seelen. Allen will Er die Bürde erleichtern und ihnen das geben, was für sie das Notwendigste ist: sein göttliches Wort und durch dieses göttliche Wort das Leben der Seele. Jesus braucht deshalb Männer voll guten Willens, die Ihm seine Zuhörer heranbilden, ihnen seine Worte erklären und seine Gnade vermitteln. Dies ist die Aufgabe des Priesters in der Kirche. — «Laß mich in dein Schifflein steigen», sagt Jesus zu Simon: «Sei mir behilflich, dem Volke die Botschaft des Heils zu verkünden. Ich bedarf deiner.» Verkoste die Freude, die Simon empfindet, als er den Heiland aufnimmt! Er tut es mit inniger Herzensfreude und bietet Ihm den besten Platz an. Der Jünger wird zum Apostel, der sich ganz dem Dienst des Meisters weiht. Nimm zu Füßen Jesu Platz. Laß Petrus das Schifflein lenken, wie es dem Herrn gefällt. Du darfst indessen den Worten Jesu lauschen.

Und Er setzte sich und lehrte das Volk vom Schiffe aus. Der Lehrstuhl ist bescheiden, aber die Weisheit, die dort verkündet wird, ist erhaben über alles menschliche Wissen. Höre, und wiederhole dir diesen göttlichen Unterricht, bei dem Jesus sich zum erstenmal des Petrus bedient, um uns zu belehren. Jesus spricht vom wahren Leben, von der Liebe des himmlischen Vaters und von unseren Pflichten gegen Ihn.