Der heilige Hieronymus

(347-420), Priester, Bibelübersetzer, Kirchenlehrer
(Fest: 30. September)

Hieronymus gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der gesamten Kirchengeschichte, er ist Kirchenlehrer und einer der vier lateinischen Kirchenväter, er zählt zu den größten Gelehrten innerhalb der katholischen Kirche. Aber nie wurde ein Kanonisationsprozess eingeleitet, nie wurde der große Hieronymus offiziell heiliggesprochen. Der Grund für diese außergewöhnliche Tatsache ist möglicherweise in dem oft ungestümen Temperament des Cholerikers Hieronymus zu suchen, der aufgrund zahlreicher Krankheiten und eines strengen Asketenlebens häufig überreizt und kränkend war und polemisch urteilte. Doch trotz aller Schwächen war Hieronymus bei den Großen seiner Zeit hochgeschätzt, das Volk verehrte ihn bereits im Mittelalter wie einen Heiligen.

Hieronymus Sophronius Eusebius kam um das Jahr 347 im dalmatinisch-pannonischen Grenzort Stridon im heutigen Jugoslawien zur Welt. Seine katholischen Eltern erzogen ihn im christlichen Glauben. Nach einem umfassenden Studium in Rom, wo er auch das Taufsakrament empfing, zog Hieronymus nach Trier, wo er das Mönchstum kennen und schätzen lernte. Die nächste Station im Leben von Hieronymus war Aquileia östlich von Venedig, wo er sich um das Jahr 370 einem asketischen Freundeskreis, dem »Chor der Seligen«, anschloss. 373 verließ der inzwischen 30jährige Hieronymus Aquileia wieder und unternahm mehrere Pilgerfahrten in den Orient. Einige Zeit lebte er in strengster Abgeschiedenheit in einer Mönchsgemeinschaft bei Aleppo im heutigen Nord-Syrien. Doch die Streitigkeiten unter den Mönchen vertrieben ihn bald wieder. Über Antiochien, wo ihn eine schwere Krankheit aufhielt, und Konstantinopel kehrte Hieronymus, inzwischen zum Priester geweiht, nach Rom zurück und wurde Sekretär von Damasus I. Als der Papst 384 starb, machte sich der gelehrte Hieronymus, der mehrere Sprachen fließend beherrschte, Hoffnungen, als Nachfolger den Stuhl Petri zu besteigen. Doch er hatte zu viele Feinde, ein anderer - Siricius - wurde gewählt. Enttäuscht verließ Hieronymus 385 Rom und ließ sich mit einer Gruppe von Witwen, die sich im Laufe der Jahre in Rom um ihn gesammelt hatten, in Bethlehem nieder, wo er in den folgenden Jahren ein Männer- und drei Frauenklöster gründete. In den 35 Jahren, die Hieronymus hier in Bethlehem lebte, wurde er zu einem der größten Theologen aller Zeiten. Man sagte, Hieronymus sei nach Augustinus (Gedenktag 28. August) der gelehrteste lateinische Kirchenschriftsteller gewesen, Hieronymus war es, der dem Klosterleben im Abendland wichtige Impulse gab und ihm den Weg bereitete. Seine Schriften sind von außergewöhnlicher Klarheit. Bis heute sind noch 117 Briefe von Hieronymus erhalten, darunter an Augustinus, seinen Zeitgenossen. Als »Krone seines Schaffens«, so der Theologe Theodor Schnitzler, wird die »Vulgata« bezeichnet, eine allgemein gebräuchliche Bibelübersetzung, die Hieronymus im Auftrag von Papst Damasus I. erarbeitet hatte. Die Arbeit an diesem monumentalen Übersetzungswerk dauerte Jahre. Berühmt wurde Hieronymus auch durch einen fortlaufenden Kommentar über große Teile des Alten und des Neuen Testamentes. Im Alter von etwa 73 Jahren starb der große Kirchenwissenschaftler nach vielen Wirren um seine Person und vielen menschlichen Enttäuschungen am 30. September 420 in seinem Kloster in Bethlehem. Der Patron der Asketen, Schüler, Studenten und Gelehrten, der Theologen und Übersetzer wird wegen seiner Tätigkeit als Papstsekretär meist mit dem Kardinalshut abgebildet; oft sieht man ihn als Gelehrten an einem Schreibpult, manchmal auch als verhärmten, abgemagerten Einsiedler vor seiner Höhle, einen Totenkopf und ein Kreuz bei sich. Die Darstellung mit einem Löwen, dem er einen Dorn aus der Pfote zieht, geht ebenfalls auf sein Eremitenleben in der Wüste zurück.

 

Der Maler El Greco (= der Grieche), * um 1541, † 7. April 1614, schuf in den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens seine Hauptwerke, die sich der Gegenreformation verpflichteten. Zu diesen Werken gehört auch das Gemälde „Heilige Hieronymus als Kardinal“.

 

Brief des Hl. Hieronymus

Alles verlassen, um alles zu empfangen

Wir haben mehr empfangen als wir gegeben haben; wir trennen uns von kleinen Dingen und finden gewaltige Reichtümer. Christus vergilt hundertfach, was man für Ihn tut: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkaufe alles und gib das Geld den Armen. Dann komm, und folge mir nach“. „Wenn du vollkommen sein willst“ – wenn es um Großes geht, haben wir immer freie Wahl. So macht der Apostel Paulus aus der Jungfräulichkeit auch kein Gebot (1 Kor 7), denn Jesus hat gesagt: „Sie ist ein Geschenk der Barmherzigkeit Gottes. Wer das erfassen kann, der erfasse es“ (vgl. Mt 19,12). „Wenn du vollkommen sein willst“: es wird einem nicht aufgedrängt, die Freiwilligkeit des Opfers erhöht ja seinen Wert. Und doch, um vollkommen zu werden, reicht es nicht einfach, nur den Reichtum zu verachten und sein Hab und Gut herzugeben, sich von allem zu befreien, was man in einem Augenblick verlieren und erwerben kann – das haben ja die Philosophen schon gemacht; von einem Christen ist mehr gefordert.

Es reicht nicht, sich von den irdischen Gütern  zu trennen; man muss Christus nachfolgen. Aber was ist das: Nachfolge Christi? Es heißt, jedweder Sünde zu entsagen und sich an alles zu halten, was tugendhaft ist. Christus ist die ewige Weisheit, der Schatz, den man in einem Acker findet (Mt 13,44), im Acker der hl. Schrift. Er ist die wertvolle Perle, um derentwillen man viele andere verkaufen muss (Mt 13,46). Christus ist auch Heiligkeit, die Heiligkeit, ohne die niemand das Antlitz Gottes sehen wird. Christus ist unsere Erlösung, unser Erlöser. Er hat sich als Lösegeld hingegeben für alle (1 Tim 2,6). Christus ist alles: wer um seinetwillen alles verlässt, wird in Ihm alles finden. Er wird sagen können: „Mein Erbe ist der Herr“ (Ps 15,5)... Gib nicht nur dein Geld, wenn du Jesus Christus nachfolgen willst. Gib Ihm dich selbst; mach es wie Jesus, denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen (Mk 10,45).

 

Mahnung an die Modernen

Vatikan. In seiner Mittwochs-Audienz am 7. November 2007 stellte Papst Benedikt XVI. die Frage, was man heute vom Heiligen Hieronymus († 420) lernen könne. Seine Antwort: „Das Wort Gottes lieben.“ Die Heilige Schrift gehe über die Zeiten hinaus. Bei den Meinungen der Menschen sei dies anders: „Was heute sehr modern ist, wird morgen sehr alt sein.“ (Anmerkung: Der hl. Hieronymus gehört zu den Heiligen, die  in Sievernich erschienen sind.)